Unbegleitet minderjährige Ausländer betreuen -

ein neuer Bereich des Jugendhofes Gotteshütte

 

Trotz immer neuer Hürden in den Transitländern flüchten weiterhin tausende Menschen auf dem Land- und Seeweg nach Westeuropa. Ca. 90 – 95% der Flüchtlingskinder kommen mit ihren Eltern nach Deutschland. Die anderen gelten als sogenannte „unbegleitete minderjährige Ausländer“ (UMA). Diese müssen durch das Jugendamt in Obhut genommen werden. Dies erfolgt in Jugendhilfeeinrichtungen, wie dem Jugendhof Gotteshütte. Seid Oktober 2015 stellt sich auch der Jugendhof Gotteshütte dieser Herausforderung. Unbegleitete Minderjährige kommen nach Deutschland da sie vor Krieg, Menschenrechtsverletzungen oder wirtschaftlicher Not fliehen und Schutz oder auch bessere Lebensumstände suchen. Manche verlieren aufgrund von Krieg ihre Angehörigen, andere werden auf der Flucht von ihren Eltern getrennt, wieder andere werden von ihren Familien nach Europa geschickt. Weltweit sind nach Schätzungen sechs bis zehn Millionen Kinder und Jugendliche allein auf der Flucht. Nur wenige von ihnen kommen nach Deutschland und reisen als unbegleitete minderjährige Ausländer  ein.  Viele der jungen Flüchtlinge sind durch ihre Erlebnisse in ihrem Heimatland und der Flucht traumatisiert. Sie haben Mord, Zwangsrekrutierung, Folter, organisierte Gewalt und bewaffnete Konflikte erfahren. Unter Umständen haben sie nie ein Leben in Sicherheit und „Normalität“, mit regelmäßigem Schulbesuch und ohne wirtschaftliche Not, erlebt.


Es gibt gute Gründe, warum minderjährige Ausländer allein, ohne die Begleitung ihrer Eltern oder anderer Verwandter, nach Deutschland kommen. Viele Familien werden bereits im Heimatland getrennt, zum Beispiel durch die Verhaftung der Eltern. Minderjährige aus Kriegsgebieten kommen auch oft als Waisen, da ihre Angehörigen im Krieg gestorben sind. Manche werden auch von ihren Eltern geschickt, weil das Geld für die Schlepper nur für ein Familienmitglied reicht.  Diese Jugendlichen waren und sind besonders starken Belastungen ausgesetzt - sie müssen den Verlust ihrer Heimat und ihrer Eltern bewältigen und daneben die neue Kultur, neue soziale Kontakte und soziokulturelle Normen verarbeiten. Häufig sind diese Jugendliche zwar dankbar für Sicherheit, Versorgung oder Schutz, fühlen sich dennoch niedergeschlagen und entwurzelt. Hinzu kommen die neuen Herausforderungen der fremden Sprache, Sitten und Gewohnheiten. Umso deutlicher wird welche wichtige Aufgabe und hohe Verantwortung der Jugendhof Gotteshütte gegenüber den jungen Ausländern im Rahmen der Inobhutnahme wahrnimmt. Die Zeit nach der Ankunft spielt für die weitere psychische Entwicklung der Jugendlichen eine wichtige Rolle.


Wir bemühen uns die Jugendlichen aufzufangen – ihnen Sicherheit, Schutz und die nötige Unterstützung zu bieten ihre neue Umgebung zu verstehen. Sich mit den deutschen Gewohnheiten, ihrer Sprache und ihrer Normen und Werte vertraut zu machen braucht Geduld, eine konsequente Haltung und eine verständnisvolle Umgebung. Diese Jugendlichen konnten durch ihre Eltern nicht vor traumatischen Erlebnissen geschützt werden, sie haben Vertrauensbrüche erlebt. Sie brauchen viel Kraft und Mut wieder zu Vertrauen, alte Normen und Werte hinter sich zu lassen und die neue Kultur als Gewinn zu betrachten. Wir versuchen im Jugendhof Gotteshütte den Jugendlichen einen strukturierten Alltag zu gestalten, sie im Rahmen von sofortigen Deutschkursen schnellstmögliches zu integrieren und helfen Ihnen Kontakt zu ihren Zurückgelassenen herzustellen. Wir vermitteln den Jugendlichen die deutsche Kultur und ihre Normen und Werte. Im ersten Schritt sorgen wir natürlich für ihre physische und psychische Grundversorgung. Auch bekommen sie durch die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen Unterstützung ihren Aufenthaltsstatus zu klären und eine Lebensperspektive zu entwickeln.


Die jüngsten Ereignisse von massiver Gewalt gegenüber Frauen machen Sorge und Angst. Umso mehr sehen wir uns verpflichtet die Jugendlichen, welche in unserer Obhut sind, möglichst gut zu begleiten auf ihrem Weg in die deutsche Kultur. Wir sehen unsere Aufgabe sie zu Persönlichkeiten zu erziehen, die unsere demokratische Kultur leben und wertschätzen.

Abschließend sollte noch gesagt sein, dass uns die Arbeit großen Spaß bereitet, wir von jedem Betreuten viel lernen, gute Erfahrungen machen und wir dankbar sind für die vielen Unterstützungen und guten Worte  die uns entgegen gebracht werden.

 

Britta Obernolte

(pädagogische Leitung)

 


 
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