Taufe im Jugendhof Gotteshütte

 

 

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Ausbau ambulanter Hilfen in der Jugendhilfe

Dirk Haunhorst

Kontakt zu Eltern erhält größere Bedeutung / Jugendhof Gotteshütte stärkt Mitspracherechte von Kindern

Porta Westfalica-Kleinenbremen (mt). Die Jugendhilfe ist im Umbruch. Ambulante Angebote ersetzen zunehmend stationäre Leistungen. Auch der Jugendhof Gotteshütte richtet sein Augenmerk stärker auf niedrigschwellige Hilfen.

Auch Kinder haben Rechte – zum Beispiel auf Freizeit, Spiel und Erholung. Das ist eines von zehn Grundrechten, die die Kinderrechtsorganisation Unicef formuliert hat. Der Jugendhof Gotteshütte in Kleinenbremen hat sich intensiv mit dem Thema befasst. Archiv - © foto: dpa
Auch Kinder haben Rechte – zum Beispiel auf Freizeit, Spiel und Erholung. Das ist eines von zehn Grundrechten, die die Kinderrechtsorganisation Unicef formuliert hat. Der Jugendhof Gotteshütte in Kleinenbremen hat sich intensiv mit dem Thema befasst. Archiv (© foto: dpa)

Die Auslastung im vollstationären Bereich liege zwar immer noch bei knapp 93 Prozent und sichere der Einrichtung die schwarze Null, berichtet Heimleiter Marco Leopold. Gleichwohl seien die Folgen politischer Entscheidungen in Häusern der Jugendhilfe längst spürbar. So sei die Nachfrage nach teilstationären Angeboten wie Tagesgruppen rückläufig. „Das ist die Folge des Ausbaus des Ganztagsbereichs in den Schulen“, sagt Leopold.

Die Stadt Porta Westfalica machte Schlagzeilen, als sie im Zuge der Haushaltssanierung die Leistungen für Jugendhilfe zusammenstrich. 2,5 Millionen Euro sollen innerhalb von fünf Jahren eingespart werden. Insider halten dieses Ziel wegen der vielen Unwägbarkeiten für überehrgeizig. Erreicht werden kann die Vorgabe nur, wenn die Quote an vollstationär versorgten Kindern und Jugendlichen sinkt.

So sollen vermehrt Pflegefamilien die Kinder versorgen. Außerdem wird viel stärker als früher über die Rückkehr in Herkunftsfamilien nachgedacht. Beziehungsabbrüche sollen, sofern dies verantwortbar ist, vermieden werden. „Hier hat es eine Wende gegeben“, sagt Leopold. „Die Eltern spielen wieder eine wesentlich größere Rolle.

Familie trainiert das Zusammenleben

Heimleiter Marco Leopold (l.) ist nun auch hauptamtlicher Vorstand. Elke Ruthenkolk rückt in den Verwaltungsrat auf. Dessen Vorsitzender ist Superintendent Jürgen Tiemann. - © MT-Foto: dh
Heimleiter Marco Leopold (l.) ist nun auch hauptamtlicher Vorstand. Elke Ruthenkolk rückt in den Verwaltungsrat auf. Dessen Vorsitzender ist Superintendent Jürgen Tiemann. (© MT-Foto: dh)

„Trainingswohnen auf Zeit“ heißt ein ambulantes Angebot, das auch die Gotteshütte vorhält. Die Problemfamilie verlässt dabei ihre Wohnung für ein halbes Jahr. Dann beginnt die diagnostische Arbeit. Mehrere Experten analysieren die Lebensgewohnheiten der Familie. Im Idealfall ist eine Rückkehr in die eigene Wohnung möglich, unterstützt von ambulanten Hilfen.

In der Gotteshütte kümmern sich 142 Mitarbeiter in Betreuungsgruppen, Schule und Verwaltung um annähernd 250 Kinder und Jugendliche. Diese erhalten inzwischen mehr Möglichkeiten zur Partizipation. Die Gotteshütte berücksichtigt dabei Vorgaben des Sozialgesetzbuches, das Kinder und Jugendliche stärker an Entscheidungen beteiligen will, die das unmittelbare Lebensumfeld betreffen.

„Kinder haben Rechte, die sie einfordern können. Vielen ist das gar nicht bewusst“, sagt Paul Naroska, Bereichsleiter der Gotteshütte. Die Kinderrechtsorganisation Unicef hat zehn Punkte zu Papier gebracht, etwa das Recht auf Privatsphäre, gewaltfreie Erziehung im Sinne der Gleichberechtigung und des Friedens, aber auch das Recht auf Freizeit, Spiel und Erholung.

Zur Veranschaulichung haben einige Schützlinge der Gotteshütte die Kinderrechte in Form einer Treppe gebaut. Sie steht mitten auf dem Gelände und wurde feierlich eingeweiht.

Die Partizipation soll weiter ausgebaut werden. Die Gotteshütte richtet zurzeit ein Beschwerdewesen ein, und im Oktober findet ein Workshop statt. Dann reden Bewohner und Betreuer über verbindliche Gruppenregeln und die Mitsprache unter anderem bei Freizeitgestaltung und Speiseplan. Fernziel könnte ein Heimparlament sein.

Neben inhaltlichen Änderungen gibt es auch organisatorische Neuigkeiten in der Gotteshütte. Heimleiter Marco Leopold, der seit elf Jahren in dem Haus arbeitet, hat den Vorstand der Evangelischen Stiftung Gotteshütte übernommen.

Zuvor hatten sich Elke Ruthenkolk und Rolf Driftmeier die Verantwortung ehrenamtlich geteilt. Sie wechseln in das Kontrollgremium der Gotteshütte, den Verwaltungsrat.

Die ehrenamtliche Vorstandsarbeit sei nicht mehr zeitgemäß gewesen, sagt Superintendent Jürgen Tiemann, Vorsitzender des Verwaltungsrates. Verantwortung und Vertretungsmacht nach außen müssten in einer Hand liegen.

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Lob für den Bergmannsgarten in Kleinenbremen geerntet

Von Stefan Lyrath

Gemeinsames Projekt von Bergbaumuseum, Siedlergemeinschaft und "Gotteshütte" / Erste Ernte im August geplant

Porta Westfalica-Kleinenbremen (Ly). Alles frisch: Hinter dem Gebäude von Besucher-Bergwerk und Museum liegt neuerdings ein Bergmannsgarten. Daran gearbeitet haben Jungen und Mädchen des Jugendhofes "Gotteshütte", unterstützt von der Siedlergemeinschaft Kleinenbremen-Wülpke.

Gartenarbeit: Luca (l.), Jan und andere Helfer kümmern sich um die Beete. - © Foto: Lyrath
Gartenarbeit: Luca (l.), Jan und andere Helfer kümmern sich um die Beete. (© Foto: Lyrath)
Lob für Bergmannsgarten geerntet - © PORTA
Lob für Bergmannsgarten geerntet (© PORTA)

Was für eine Maloche: Zunächst musste die Brache, früher der Garten des Hauswartes, urbar gemacht werden. Ohne Jan Borchert vom Umwelthof Minden-Lübbecke, der mit einer Motorsäge und anderen Geräten angerückt war, wäre dies kaum zu schaffen gewesen. Gleichzeitig war Borchert auf die Hilfe der jungen Leute angewiesen.

 

Steine wurden bergauf geschleppt, 15 Tonnen Mutterboden für die beiden Beete verteilt, Äste abgeschnitten, eine Hecke angelegt, ein Baum gefällt, später gesät und gepflanzt. "Alle haben sich ganz schön geschunden", stellt Betreuerin Bärbel Behnert vom Team des Bergbaumuseums anerkennend fest. "Und sie haben durchgehalten - alle Achtung." Abends hieß es sogar: "Bärbel, bleibst Du noch?" Antwort: ja. "Dann bleiben wir auch."

Ende August wird an der Rintelner Straße erstmals die Ernte eingefahren. Dann steht der nächste größere Arbeitseinsatz an. Jan Borchert erntete bereits Lob. "Ob Steine oder Baumstämme: Er hat alles verwertet, was da war", so Bärbel Behnert. Museumspädagogin Susanne Riedmayer fügt hinzu: "Das war geschickt, denn wir mussten keine Mulde bestellen."

Für das Publikum bleibt der Bergmannsgarten, der einem Vorbild aus den 1950er Jahren nachempfunden ist, zunächst geschlossen, was sich später aber ändern soll. Verkommen wird er nicht. Die jungen Leute wollen den Garten auch pflegen. Angebaut werden auf der einen Seite Gemüse wie Möhren, Kohl, Sellerie, Radieschen oder Kohlrabi, auf der anderen Kräuter. Hinzu kommen Obstbäume mit Kirschen, Birnen und Äpfeln.

Thematisch passt das Projekt "MuseobilBox" gut zum Museum, weil der Bergmannsgarten anschaulich zeigt, dass die Kumpel früher Selbstversorger waren. Das Vorhaben wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung voll bezuschusst.

Harte Arbeit schweißt alle zusammen
Zum Projekt, hinter dem der Bundesverband Museumspädagogik steht, gehört auch der Bau von mehr als zehn mobilen Boxen, die an verschiedenen Orten bestaunt werden können. Einige sind vom 20. Mai bis 3. Juni in der Stadtsparkasse Hausberge zu sehen. Vorausgegangen war den Gartenarbeiten ein Ausflug zum Museumshof in Rahden, um sich Anregungen zu holen.

"Die Zusammenarbeit mit den jungen Leuten lief völlig problemlos", freut sich Friedhelm Wehking, Vorsitzender des Siedlerbundes, der sechs Mitglieder im Einsatz hatte. Vom Wissen der Siedler profitierten die 15 Jungen und Mädchen, verteilt auf zwei Gruppen. Harte Arbeit hat alle Beteiligten zusammengeschweißt. Im Team mit Kindern, "die angeblich Probleme haben", hat Bärbel Behnert außerdem festgestellt, "wie normal sie ticken".

 

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Kreuzweg "Gott im Berg" mit 16 Stationen im Bergwerk in Kleinenbremen

von Von Stefan Lyrath

Lichter im Dunkel des Bergwerks entzündet / Überwältigte Besucher zum Auftakt / Bis Ostersonntag geöffnet

Porta Westfalica-Kleinenbremen (Ly). Martina Pohlmeier steht im Halbdunkel des Besucher-Bergwerks und ist beeindruckt, wenn nicht überwältigt. "Ich bin ganz angerührt und merke, dass es in mir arbeitet", bekennt die Presbyterin aus Lahde. "Man spürt so viel Liebe und Ideen."

So sehen es Grundschüler: Praktische Hilfe leistet die Feuerwehr - genau wie Veronika, die Jesus an der sechsten Station das Schweißtuch reicht.

Lichter im Dunkel des Bergwerks entzündet (© PORTA)

Was Martina Pohlmeier über den Kreuzweg unter Tage sagt, ist Susanne Riedmayer wichtig. "Für unsere Präsentation ,Gott im Berg´ war sie schließlich die Ideenstifterin", erklärt Riedmayer, Museumspädagogin in Kleinenbremen.

In einem Kirchenmagazin hatte die Lahderin gelesen, dass in Erlangen ein Kreuzweg in einem Weinkeller gezeigt wird. "Kannst Du das auch?", spornte sie ihre Freundin Susanne Riedmayer an. Seit Sonntag ist die Frage beantwortet. Yes, we can.

Riedmayer und ihr Chef Mirko Ignatz konnten den vorderen Teil einer stillgelegten Erzgrube zur Verfügung stellen, wo Mitglieder der Kirchengemeinde Kleinenbremen ihrer Phantasie freien Lauf ließen, verstärkt durch mehrere Gruppen. Zu sehen sind 16 Stationen, zwei mehr als auf dem traditionellen Kreuzweg Jesu. Den Anfang markiert das hinzugefügte Abendmahl, für das ein Wandteppich mit entsprechendem Motiv aus dem Kleinenbremer Gemeindehaus kopiert wurde. "Wir fangen also mit Gründonnerstag an", erklärt Pfarrer Ekkehard Karottki.

Gestaltet ist der maßvoll beleuchtete Kreuzweg teils mit großem Einfallsreichtum. An der sechsten Station reicht Veronika Jesus das Schweißtuch. Die 4. Klasse der Grundschule hat dazu das Pendant geschaffen: Ein Skelett ist als Feuerwehrmann angezogen, Zeitungsausschnitte erinnern an Einsätze. "Es geht um praktische Hilfe", erklärt Karottki.

Presbyter Hartmut Haselau und seine Frau Christiane sehen den Kreuzweg auch als Möglichkeit, politische Statements zu weltweiten Missständen abzugeben. Deshalb erinnern beide an die 70 Menschen in der Kleinenbremer Unterkunft für Asylbewerber. "Sie haben alles verloren", schreiben die Haselaus. "Was können wir ihnen geben? Bauen wir eine schützende Hülle!"

Auf einer Tafel können Besucher niederschreiben, was ihnen einfällt. Vizebürgermeister Karl Erich Schmeding hat den Asylbewerbern "Gottes Segen" gewünscht. "Gott ist für alle zuständig, nicht nur für Christen", betont er. Schmeding freut sich, "dass dies ein Kreuzweg zum Angucken und Mitmachen ist".

Aquarelle und Bibeltexte an jeder Station

Mit der Station "Abendmahl", die im traditionellen Kreuzweg fehlt, beginnt die Präsentation. (© Fotos: Stefan Lyrath)

An jeder Station finden sich zudem Aquarelle von Andreas Felger sowie Bibeltexte mit Auslegungen von Anselm Grün. "Von den Aquarellen bin ich auch deshalb sehr beeindruckt, weil sie so schlicht sind", stellt Margrit Meier vom Kunstkreis Porta Westfalica fest. Den Ort findet sie ideal zur Besinnung: "Durch die Dunkelheit ist man irgendwie allein, auch wenn Menschen da sind." Pfarrerin Imke Reinhardt-Winteler vom Kirchenkreis Minden ist ebenfalls "ganz stark berührt" von der Wirkung der Felswände, dem Ideenreichtum und der Auswahl der Aquarelle. "Ich freue mich aber auch, ans Ende des Tunnels zu kommen, an die Sonne", sagt sie. An der Präsentation beteiligt sind neben mehreren Gemeindegruppen die Kindergärten Nammen und Kleinenbremen, die Lütkenbremer Grundschule, der Jugendhof "Gotteshütte" und die Gesamtschule in Lerbeck.

 
Geöffnet ist bis Ostersonntag, 20. April, dienstags bis freitags sowie sonntags, jeweils von 11 bis 17 Uhr. Wer nur zum Kreuzweg will, hat freien Eintritt.

 

 

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27.01.2014

Museum, Siedlergemeinschaft und "Gotteshütte" legen Bergmannsgarten in Kleinenbremen an

Wo der Bergmann zum Gärtner wird / 13.000 Euro gibt es vom Ministerium
VON STEFAN LYRATH
 

Porta Westfalica-Kleinenbremen (Ly). Bergleute waren Selbstversorger. In Nutzgärten wuchsen Obst und Gemüse, Schweine und Ziegen hielten die Familien dort oder im Keller. Hinter dem Museumsgebäude am Besucher-Bergwerk entsteht demnächst ein Bergmannsgarten wie in den 1950er Jahren.
 

Museumspädagogin Susanne Riedmayer (r.) zeigt ihren Bündnispartnern von
Museumspädagogin Susanne Riedmayer (r.) zeigt ihren Bündnispartnern von "Gotteshütte" und Siedlergemeinschaft die Brache, wo ein Bergmannsgarten entstehen soll. | Foto: Stefan Lyrath
 
"Ein ziemlich ehrgeiziges Projekt", sagt Susanne Riedmayer, die Leiterin der Museumspädagogik. "Thematisch passt es gut zu diesem Museum." Hinzu kommt: An der Stelle lag früher der Garten des Hauswartes. Die Obstbäume stehen noch. Angebaut werden könnten Spinat, Möhren, Kartoffeln, Kohlrabi oder Grünkohl. Ob sich zum Beispiel Ziegen finden, die so genannten "Bergmannskühe", ist noch offen.

 

 

 

Für das Projekt, voll bezuschusst vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, haben Besucher-Bergwerk und Museum zwei Partner gewonnen. Mit im Boot sind der Jugendhof "Gotteshütte" und die Siedlergemeinschaft Kleinenbremen-Wülpke, mit denen ein lokales "Bündnis für Bildung" geschlossen wurde.


Von Mitte März an wird zunächst mithilfe eines Unternehmens die Brache urbar gemacht. Firma hin oder her: "Da brauchen wir Muckis", sagt Susanne Riedmayer und sieht Julian (14) von der "Gotteshütte" an, der dann mit einer Gruppe anrücken wird. Gesät und gepflanzt wird im April - nach den Plänen eines Gartenarchitekten. Erntezeit ist von Ende August bis Anfang September und noch einmal in der zweiten Oktober-Hälfte.

Alle vier Abschnitte beginnen mit einem Ausflug, zum Beispiel zum Museumshof in Rahden. Nach dem Ende der Gartenarbeit bestücken die jungen Leute mobile Museumsboxen, die auf Tour gehen und an mehreren Portaner Orten aufgestellt werden. Das Motto heißt "Museum zum Selbermachen". Beantragt hat Susanne Riedmayer das Projekt "MuseomilBox" beim Bundesverband Museumspädagogik.

Zur ökologisch-pädagogischen Ausrichtung der "Gotteshütte", mit der die Einrichtung sich dem Erhalt der Natur verpflichtet, passt es perfekt. "Weg vom Handy", bringt Heimleiter Marco Leopold das Konzept auf den Punkt. Eine Gruppe des Jugendhofes hat bereits mehrere Kleingärten angelegt. Im Bergmannsgarten werden drei Gruppen arbeiten, die jüngsten Kinder sind im Grundschulalter.
 
Befristet auf ein Jahr, Verlängerung möglich

"Bei uns ist das Projekt sofort auf Zustimmung gestoßen", erzählt Bereichsleiterin Cornelia Schwalb. Julian, der zur intensivpädagogischen Fördergruppe gehört, verspricht sich ebenfalls viel davon. "Es ist wichtig, dass jeder etwas für die Umwelt tut", sagt er.

Auch die Siedlergemeinschaft (497 Mitglieder) musste nicht zweimal gebeten werden. "Wir sind Ratgeber und bringen eigene Erfahrungen mit", erklärt Vorsitzender Friedhelm Wehking den Part der Siedler, die zum Teil selbst in der Kleinenbremer Zechensiedlung wohnen und ähnliche Gärten am Haus haben.

Mit der Ausstellung "Bergmannskuh und Schweinekasse", gezeigt vor zehn Jahren, hatte das Museum für Bergbau und Erdgeschichte das Thema schon einmal aufgegriffen. Für die Schau war ein Garten nachgebaut worden.

Das aktuelle Projekt ist zunächst auf ein Jahr befristet. Dafür gibt es rund 13 000 Euro. Eine Verlängerung um weitere drei Jahre ist möglich.

Das Ziel: Kinder und Jugendliche, so heißt es, sollen für einen nachhaltigen Umgang mit der Natur sensibilisiert werden und sich gleichzeitig mit der Geschichte des Dorfes sowie seiner Bewohner auseinandersetzen. Für Kleinenbremen ist die Zechensiedlung prägend. Und für Bergmannsfamilien der 1950er Jahre war Selbstversorgung überlebenswichtig.
 
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Dokument erstellt am 26.01.2014 um 23:06:14 Uhr
Letzte Änderung am 27.01.2014 um 02:30:43 Uhr

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23.09.2014

160. Geburtstag der evangelischen Stiftung: Trainingswohnen in der Gotteshütte

Rund 1000 Besucher / Enge Verbundenheit mit dem Jugendhof
VON STEFAN LYRATH
 

Porta Westfalica-Kleinenbremen (Ly). Der Jugendhof Gotteshütte hat 160. Geburtstag gefeiert. Genau halb so alt ist eine Dame, die dort als Kind gelebt hat, mit sieben Jahren umzog und jetzt beim Jubiläum zu Gast war. "Die Verbundenheit ist groß", stellt Heimleiter Marco Leopold fest.
 

Vor der Bühne verfolgen Kinder und Erwachsene das Geschehen aufmerksam.
 
Das gilt für viele Ehemalige. Rund 1000 Besucher feierten nach einer Schätzung Leopolds am Wochenende mit. Sie erlebten ein Programm, das keine Langeweile aufkommen ließ. Für Bürgermeister Stephan Böhme ist die evangelische Stiftung Gotteshütte der bedeutendste Träger der Jugendhilfe in Porta Westfalica, wie er am Freitag während einer Fachtagung betonte. Besonders hob Böhme ein gemeinsames Projekt des Jugendhofes mit dem städtischen Jugendamt hervor. Es geht um Rückführung.
 
Action: Auf der Bühne zeigen die Tänzer von "V 2 Hip-Hop", was sie können. | Fotos: Stefan Lyrath
 

 

Vor einer Heimunterbringung wird den Familien ausreichende Unterstützung angeboten. Trainingswohnen gehört ebenfalls zu den jüngeren Projekten. Ganze Familien ziehen vorübergehend auf das Gelände der Gotteshütte, wo drei Wohnungen zur Verfügung stehen. Verhaltenstrainung kann die Lösung sein, wenn Familien eine Herausnahme der Kinder droht. In der Gotteshütte helfen dann Profis, darunter Sozialpädagogen, Erzieher und verschiedene Therapeuten.

Bisher haben 20 Familien den Neustart gewagt, die meisten mit Erfolg. "Etwa 80 Prozent sind zusammengeblieben", erklärt die stellvertretende Heimleiterin Britta Obernolte. "Rund 20 Prozent haben sich bewusst für eine Trennung entschieden." Die Kinder kommen dann zunächst in Wohngruppen oder Pflegefamilien. Häufig fühlen sich Eltern, die ganztags arbeiten müssen, schon aus Zeitmangel mit der Erziehung überfordert. Der Anteil Alleinerziehender hat zugenommen. Die Großfamilie ist so gut wie ausgestorben. Hinzu kommt, dass viele Mütter und Väter als Kinder selbst vernachlässigt worden sind.


Hilfe wird indes nicht nur bei Vernachlässigung von Kindern nötig. "Viele sind auch hochverwöhnt", berichtet Marco Leopold. Das bedeutet: zu wenig Erziehung. Von den Problemen ist nach Erkenntnissen der beiden Heimleiter ungefähr zur Hälfte die sogenannte Mittelschicht betroffen.

Der Jugendhof, gegründet als "christliches Rettungshaus für verwahrloste Kinder", wächst und entwickelt sich weiter. Die Zahl der Mitarbeiter ist auf knapp 150 angestiegen. In zehn Wohngruppen leben zusammen 83 junge Menschen. Weitere 46 Plätze bieten die fünf Tagesgruppen.

Hauptbeleger ist mit etwa 60 Prozent das Jugendamt des Landkreises Schaumburg. Im ambulanten Bereich betreuen neun Mitarbeiter 70 Familien. Zur Lutherschule gehen 80 Förderschüler, mehr als die Hälfte kommt von außerhalb.

Eigens für den "Tag der offenen Tür" am Samstag haben Bewohner die "Hüttenband" gegründet. Hitverdächtig ist der "Hüttensong". Zum Programm gehörten außerdem Auftritte der Tanz- und Trachtengruppe des TuS Kleinenbremen, des Tanzvereins V2 Hip-Hop aus Bad Oeynhausen, von Achim dem Märchenkönig, einem Feuerspucker sowie der Band "Lena und Lena".

Vertreten waren auch Imker, Jäger und das Spielmobil der Stadt Minden. Sportlich ging es zu beim Bobbycar-Rennen, Torwandschießen oder dem Sponsorenlauf. Motto der Geburtstagsfeier: "Mit der Natur fürs Leben stärken". Die Gotteshütte hat ein ökologisches Konzept, das sich dem Erhalt der Natur verpflichtet. Davon profitieren auch die jungen Leute. Britta Obernolte: "Medien regen Kinder auf, die Natur beruhigt sie."
 

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Dokument erstellt am 22.09.2013 um 23:06:46 Uhr

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