Jugendwohnen für Flüchtlinge - JUMAGO

 

Zielgruppe:

Da eine Überleitung in Folgemaßnahmen im Clearingverfahren häufig schwierig ist, oder die Jugendlichen mit nur noch wenigen Schritten in die Selbständigkeit entlassen werden könnten, oder die Jugendlichen massive Ängste vor ein Wechsel des Lebensortes haben, soll das Angebot des Jugendwohnen umA eine Alternative darstellen. Die Jugendlichen werden mit einer Betreuungsstruktur von 1:1,88 betreut. Die Jugendlichen werden nur tagsüber betreut, da sie insoweit verselbständigt sind, dass eine nächtliche Rufbereitschaft ausreichend erscheint.

 

Anschrift:

Jugendwohnen für Flüchtlinge - JUMAGO, Kleinenbremen

 

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Fachbereichsleitung:

Lars Schünke
Telefon: 0 57 22 / 28 01-12
E-Mail: l.schuenke@jugendhof-gotteshuette.de

 


 

Teamleitung:

Anja Pieles

Telefon: 05722-2801-95

E-Mail: jumago@jugendhof-gotteshuette.de

 


 

Mitarbeiter:

3,5 (+HWK)

 

Plätze: 10 Wohngruppenplätze

 


 


 

Primäres Ziel ist es, dem Jugendlichen die physischen und psychischen Grundbedürfnisse zu sichern. Die Bedingungen der Flucht der Minderjährigen sind verbunden mit hohen psychischen Belastungen und oftmals einhergehend mit erlebter Traumatisierung, Gewalt und Abhängigkeit von Fluchthelfern und Schlepperorganisationen. Unbegleitete Minderjährige sind häufig auf sich alleine gestellt und vielen Gefahren ausgesetzt. Die Inobhutnahmesituation der Jugendlichen ist gekennzeichnet von einer Vielzahl von bürokratischen Terminen, Umstellung und Integration und oftmals auch Trauer um die Zurückgebliebenen. Viel zu schnell müssen die Jugendlichen nach dem Clearingverfahren ihren sicheren Ort verlassen, um in eine andere Betreuungsform zu wechseln.

 

Die Maßnahme ist notwendig und geeignet für Jugendliche und junge Volljährige Ausländer,

  • deren Entwicklung, Erwachsen werden und Verselbständigung als vorrangige und zentrale Entwicklungsaufgabe angesehen wird;
  • Die nicht mehr mit den Rahmenbedingungen einer Regelwohngruppe oder des Elternhauses zurechtkommen, aber noch überfordert sind, allein zu leben.
  • Unterstützung bei der Verselbständigung und dem Aufbau eines eigenen Lebensumfeldes benötigen.
  • Die ein kontrolliertes, überschaubares Lebensfeld mit pädagogischer Betreuung benötigen.
  • Die in den Prozess der Verselbständigung einsteigen.
  • Die im Rahmen der Verselbständigung Unterstützung benötigen.

 

Die Maßnahme ist nicht geeignet, wenn

 

  • Jugendliche und junge Volljährige die Mitarbeit verweigern.
  • Eine weitere Verselbständigung aufgrund geistiger oder seelischer Behinderung
    nicht möglich ist.
  • Eine manifestierte Suchtproblematik vorliegt.

Ziele:

Die Verselbständigung der Jugendlichen ist das Hauptziel unserer Arbeit im Jugendwohnen. Wir wollen die Jugendlichen begleiten und anleiten, selbständig und eigenverantwortlich zu handeln und zu leben. Integration in die deutsche Kultur und Überleitung in die Selbständigkeit ist ein zentrales Merkmal dieser Betreuungsstruktur.

Vor dem Hintergrund des allgemeinen pädagogischen Ansatzes können folgende Zielsetzungen möglich sein:

  • Unterstützung in der Bewältigung des Alltags,
  • Entwicklung von beruflichen Perspektiven,
  • Unterstützung in der Erlernung der deutschen Sprache und Kultur,
  • Verselbständigung,
  • Unterstützung in dem Asylverfahren, sofern beantragt,
  • Begleitung und Unterstützung in der Verarbeitung der Biographie,
  • Einbindung in die Gesellschaft,
  • Gesundheitsfürsorge,
  • Ggf. Überleitung in Folgemaßnahmen oder der Selbständigkeit.

 

Konzeptionelle Schwerpunkte:

Den Jugendlichen soll geholfen werden, wieder Mut zum Vertrauen zu fassen und Lust und Interesse zu gewinnen, Beziehungen zu anderen Menschen einzugehen, denn diese helfen, wieder Halt zu finden und sich in ein Alltagsleben zu integrieren. Hierbei ist es wichtig, den Kindern und Jugendlichen Verständnis entgegenzubringen, sie emotional zu unterstützen, sich ihrer Sorgen und Ängste anzunehmen, sie zu ermutigen, Probleme anzugehen und ihnen zu helfen, schwierige Situationen zu bewältigen und mit ihnen fertig zu werden. Erste wichtige pädagogische Ziele sind die psychische Stabilisierung, soweit möglich und Hilfe im fremden, oft unverständlichen Alltag.

Die Jugendlichen befanden sich vor den Inobhutnahmen meist Monate, manchmal auch Jahre auf der Flucht. Sie brauchen im Rahmen des Clearingverfahrens einige Zeit, um anzukommen und zu realisieren wo sie sind. Hinzu kommt das Erlernen der Kultur, der Sitten und Bräuche und natürlich des Spracherwerbs. Sie fassen Vertrauen und versuchen erstmalig ihre Geschichten in Worte zu fassen. Viel zu schnell erfolgt dann der Wechsel in eine neue Umgebung, neuen Erwachsenen mit neuen Regeln und Grenzen. Es besteht bei den Jugendlichen Furcht und Angst, was sie erwartet und einem Wechsel wird häufig nur ungern zugestimmt. Die Jugendlichen werden überfordert, zumal sie durch die neue Gesetzgebung häufig schon einen Wechsel des Betreuungsortes erlebt haben (Verteilungsgesetz). Durch die Plätze im Jugendwohnen kann mit den Jugendlichen ihre Zukunft gelassener betrachtet werden und eine Auseinandersetzung mit Perspektive kann in Ruhe erfolgen. Der Wechsel wird thematisiert und der perspektivische Wohnort kann kennengelernt werden. Die Jugendlichen reagieren häufig somatisch auf ihre Traumatisierungen (Kopfschmerzen, Bauchkrämpfe, Schlafstörungen). Diese können im Rahmen der Betreuung angegangen werden und eine Vermittlung zu Therapeuten oder Beratungsstellen kann erfolgen.

Alltagsstruktur

Durch Einzel- und Gruppenangebote haben die Jugendlichen die Möglichkeit, Neues zu entdecken, eigene Stärken wahrzunehmen, sich im neuen Lebensumfeld zu Recht zu finden und die deutsche Sprache zu erwerben. Durch offene Angebote (kreativ, sportlich,…) lernen die Jugendlichen einen konstruktiven Umgang mit der eigenen Freizeit.

Dabei sind Betreuungskontinuität und Zuverlässigkeit ein wesentlicher Bestandteil in der Begleitung der jungen Menschen und wird sichergestellt u. a. durch die Arbeit mit einem Bezugserziehersystem.

Der Verselbstständigungsphase von unbegleitet eingereisten Jugendlichen ist eine große Bedeutung beizumessen. Meist kommen sie ohne ein klares Lebensmodell oder mit einem nicht umsetzbaren Modell, wie der Wunsch Arzt zu werden. Häufig sind ihre Vorstellungen von ihrem Leben in Deutschland völlig Andere, als es ihnen die Bedingungen in Deutschland erlauben. Wird dies erkannt, entsteht eine große Trauer. Auch der Druck der Zurückgelassenen, die häufig viel Geld investiert haben, um dem Jugendlichen eine Perspektive zu bieten, steht dem Jugendlichen gegenüber. Den Jugendlichen fehlt es an Lösungsansätzen und Lebensmodellen, welche realistisch umsetzbar sind. Die Wut und die Trauer über ihre Situation muss bearbeitet werden.

Die PädagogenInnen trainieren mit den Jugendlichen mehrere Kernbereiche wie,

  • Haushaltsführung;
  • Persönliches;
  • Organisation des Alltags;
  • Soziale Tugenden;
  • Selbsthilfetechniken;
  • Verhalten in der Gruppe.

 

Im Rahmen Jugendwohnen für Flüchtlinge kommt das Asylverfahren zum Tragen, sofern die Jugendlichen dieses beantragt haben. Hier sollte eine pädagogische Begleitung die Jugendlichen emotional stärken und Ihnen Mut und Zuversicht vermitteln. Auch sind schwere Entscheidungen zu treffen, in denen die Jugendlichen Halt und Sicherheit benötigen.


 

Beziehungsarbeit

Im Rahmen des Bezugserziehersystems hat jeder Jugendliche einen festen Ansprech-partner, der ihm bei seiner persönlichen Lebensgestaltung unterstützend zur Seite steht. Dabei stellen sich die Bezugserzieher/innen individuell auf die jeweiligen Herkunftssituationen ein und sind vertraute Begleiter beim Erreichen persönlicher Ziele und bei nicht planbaren Krisen.

 

Wohnen und Ausstattung

Den Jugendlichen stehen jeweils Einzelzimmer zur Verfügung.

Zusätzlich verfügen das Haus noch über zwei Küchen, einem Wohnraum, 3 Bädern, 2 Besprechungs- (Freizeit-)räume und einem Keller. Das Haus verfügt über einen Telefonanschluss um im Bedarfsfall die Rufbereitschaft schnell erreichen zu können. Freies WLAN wird den Jugendlichen zur Verfügung gestellt.

Zusammenarbeit mit der Schule

Sofern die Jugendlichen einer Schule zugewiesen werden konnten, wird der Jugendliche auf seinen Schulbesuch vorbereitet. Er wird begleitet und unterstützt. Ein regelmäßiger Kontakt mit der Schule ist Voraussetzung, um ihn in Schwierigkeiten unterstützen zu können. Im Rahmen der Betreuung werden sie durch regelhaften Austausch mit den Lehrern unterstützt, um mit Ihnen eine berufliche Perspektive entwickeln zu können.

Für Jugendliche, bei denen ein Übergang in den Beruf bzw. Weiterleitung an berufsbildende Schulen ansteht, soll eine realistische Berufsperspektive erarbeitet werden. Bestandteile dieser Planung sind:

 

  • Bewerbungstraining;
  • Steuerung und Organisation des Überganges in weiterführende Schulen, Bildungsmaßnahmen oder Ausbildung;
  • Erwerben erforderlicher Kenntnisse über Bildungs- und Ausbildungswege;
  • Ermöglichen von entsprechenden Praktika.

 


 

Pädagogische Kompetenzen       

  • Jungenarbeit;
  • Verselbständigung;
  • Hausaufgabenhilfe sowie regelmäßiger Kontakt zu Schulen / Ausbildungsbetrieben;
  • Integration durch
    • Freizeitgestaltung
    • Deutschnachhilfe
    • Beteiligung am Heimrat;
    • Erkundung der Umwelt;
    • Auseinandersetzung mit Kultur
  • Erlebnispädagogische Anteile;
  • Anleitung bei der Haushaltsführung, dem Einkauf und beim Kochen;
  • Krisenmanagement

Infrastruktur

Das Jugendwohnen für Flüchtlinge - Jumago befindet auf dem Kernheimgelände der Einrichtung in Porta Westfalica, Kleinenbremen. Durch die gute infrastrukturelle Einbindung ist der Besuch öffentlichen Schulen Porta Westfalica und Minden nach Zuweisung möglich. Auch die gesundheitliche Versorgung ist in diesem Bereich gut abgedeckt.

Freizeitangebote können neben den internen Angeboten ebenso in der näheren Umgebung in Anspruch genommen werden und sind auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar.

 
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